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Dell XPS 13 9320 unter Fedora: Der Standby, der keiner war – Intel VMD verhindert S0ix

Mein frisch mit Fedora installiertes Dell XPS 13 9320 hat im Standby über Nacht auffällig viel Akku verloren. Ein Zähler im Kernel zeigte: Nach 17 Stunden Standby war der Laptop keine einzige Sekunde im Sparzustand – schuld war der SSD-Modus „RAID On“ (Intel VMD) im BIOS.

Harry_im_Homelab31 (Portrait)
Harald
2026-11-01 · ~5 Min. Lesezeit
S0ix-Zähler bei null: Der Laptop schlief nicht
S0ix-Zähler bei null: Der Laptop schlief nicht

Ausgangslage: neues Fedora, alter Akku

Auf meinem Dell XPS 13 9320 läuft seit Oktober 2026 ein frisch installiertes Fedora 44. Zum Start: BIOS 2.19.0, Kernel 6.19.10. Der Akku ist nicht mehr der jüngste – upower meldet noch 67 % der Nennkapazität, also rund 36 von 54 Wh.

Wichtig für alles Weitere: Das Modell kennt den klassischen Tiefschlaf S3 nicht mehr. Es bietet nur den modernen Standby s2idle an. Das sieht man direkt im sysfs:

bash
cat /sys/power/mem_sleep

Bei s2idle bleibt das System formal „an“, der Chipsatz soll aber in einen sehr sparsamen Zustand namens S0ix wechseln. Tut er das nicht, ist der Laptop im Standby im Grunde nur ein Laptop mit dunklem Bildschirm.

Das Symptom: über Nacht zugeklappt, morgens deutlich leerer

Das Problem war unspektakulär: Abends zugeklappt, am Morgen war der Akku deutlich leerer, als man es bei einem Laptop im Standby erwarten würde. Keine Fehlermeldung, kein Absturz – nur ein Akkustand, der nicht zusammenpasst.

Irrweg: Ist halt der Akku?

Der naheliegende Verdacht war der Akku selbst. 67 % Restkapazität sind nicht mehr viel, und ein schwacher Akku fühlt sich schnell „leer“ an.

Das erklärt aber nur die Hälfte: Ein gealterter Akku sorgt für kürzere Laufzeit, nicht für höheren Verbrauch im Standby. Wenn der Laptop wirklich schläft, verbraucht er auch mit halbem Akku kaum etwas. Endgültig vom Tisch war der Verdacht mit der Messung im nächsten Abschnitt: Der Laptop hatte gar nicht richtig geschlafen – egal, wie gut oder schlecht der Akku ist.

Untersuchung: Hat der Chip überhaupt geschlafen?

Ob und wie lange der Chipsatz in S0ix war, zählt der Kernel mit. Es gibt dafür zwei Zähler:

bash
# Zeit in S0ix laut Intel-PMC-Treiber (Mikrosekunden, debugfs, braucht root)
sudo cat /sys/kernel/debug/pmc_core/slp_s0_residency_usec

# Zeit im systemweiten Low-Power-Idle laut cpuidle (Mikrosekunden)
cat /sys/devices/system/cpu/cpuidle/low_power_idle_system_residency_us

Ich habe die Werte vor und nach einem Standby verglichen. Der Laptop lag vom 14.10. um 16:50 bis zum 15.10. um 10:08 zugeklappt – gut 17 Stunden. Ergebnis:

Zähler: 0.

Der Chipsatz hat den Sparzustand in 17 Stunden keine einzige Sekunde erreicht. Prozessor, Teile des Chipsatzes und das WLAN sind die ganze Nacht aktiv geblieben. Damit war klar, dass nicht der Akku das Problem ist, sondern etwas, das S0ix blockiert.

Die Ursache: „RAID On“ alias Intel VMD

Die Suche nach dem Blocker endete im BIOS. Dort stand der SSD-Modus auf „RAID On“ – dahinter steckt Intel VMD/RST. Dass VMD auf Dell-Laptops unter Linux S0ix verhindert, ist ein bekanntes Problem. Unter Windows regelt das der Intel-Treiber, unter Linux bleibt der Chipsatz dadurch wach.

Dazu kam ein veraltetes BIOS: installiert war 2.19.0, aktuell war 2.30.0.

Vor dem Umschalten: Startet das System danach noch?

Den Storage-Modus im BIOS umzustellen ist nicht ganz ohne: Wenn das Startabbild den passenden Treiber nicht enthält, findet das System seine eigene SSD nicht mehr. Deshalb habe ich vorher geprüft, dass der NVMe-Treiber im Startabbild (initramfs) steckt.

Erst als das bestätigt war, ging es ans BIOS.

Die Lösung in drei Schritten

  1. System aktualisieren. Zuerst alle Fedora-Updates eingespielt, danach lief Kernel 7.2.10.
  2. BIOS aktualisieren. Das BIOS-Update von 2.19.0 auf 2.30.0 kam über fwupdmgr und wurde beim Neustart eingespielt – mit Netzteil angeschlossen.
  3. SSD-Modus umstellen. Beim Start mit F2 ins BIOS, unter Storage von „RAID On“ auf „AHCI/NVMe“ gewechselt. Fedora ist danach ganz normal gestartet.

Der Nachweis: Zähler läuft, Akku hält

Kurztest am 15.10. von 10:59 bis 11:59: Der S0ix-Zähler stand danach bei 60 Minuten – also praktisch die gesamte Stunde im Sparzustand. Vorher waren es nach 17 Stunden null. Der Akku ging in dieser Stunde von 53 auf 52 %.

Nachttest vom 15.10. 12:05 bis 16.10. 08:03, rund 20 Stunden ohne Netzteil: Der Zähler stand bei 75.620 Sekunden – das entspricht ungefähr der gesamten Standbyzeit. Der Akku sank von 51 auf 31 %.

Rechnen wir das kurz durch: Etwa 1 % pro Stunde. Bei 36 Wh Restkapazität sind das rund 0,36 W. Ein voller Akku hält damit gut vier Tage im Standby.

Was offen bleibt

  • Welche Änderung war es nun? BIOS-Update und Umstellung auf AHCI/NVMe habe ich zusammen eingespielt. Was davon entscheidend war, habe ich nicht getrennt gemessen. Die bekannten Berichte sprechen für den VMD-Modus als Ursache.
  • 1 %/h ist eher die obere Grenze dessen, was man erwarten kann. Ein gesunder Akku hätte in Wattstunden gerechnet weniger verloren.
  • Ein Nebenbefund derselben Nacht – meine restic-Sicherung lief nach dem Aufwachen ins Leere – ist eine eigene Geschichte.

Fazit

Wenn ein Linux-Laptop mit s2idle im Standby den Akku leert, lohnt sich der Blick auf die S0ix-Zähler, bevor man den Akku verdächtigt. Steht der Zähler nach einer Nacht bei null, schläft der Laptop schlicht nicht. Auf meinem XPS 13 9320 war der Übeltäter der BIOS-Modus „RAID On“ (Intel VMD). Nach BIOS-Update und Umstellung auf „AHCI/NVMe“ – vorher initramfs prüfen! – erreicht er den Sparzustand die ganze Nacht.

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